Wer seine Gefühle unterdrückt, tut sich nichts Gutes. Das ist recht bekannt. WIE wir unsere Gefühle unterdrücken, ist allerdings weniger bekannt: nämlich zum größten Teil unbewusst. Aus diesem Grund ist die Frage “Unterdrückst du deine Gefühle?” auch nicht so einfach zu beantworten. Um Licht ins Dunkel zu bringen, stelle ich dir vier Wege vor, wie wir häufig mit unerwünschten Emotionen umgehen – und einen fünften, der gesünder ist.
Wenn wir Gefühle unterdrücken, ist uns das oft überhaupt nicht bewusst. Das Nicht-Fühlen geschieht in der Regel automatisiert und unbemerkt – zumindest so lange, bis sich die Auswirkungen bemerkbar machen. Denn ein ungefühltes Gefühl verschwindet nicht einfach. Die emotionale Energie bleibt im Körper. Das bemerken wir dann, wenn das Gefühl wiederholt hochkommt, sich in einem größeren Gefühlsausbruch löst oder körperliche Symptome hervorruft.

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Wie wir mit negativen Gefühlen umgehen
Nach dem Arzt und Psychiater Dr. David R. Hawkins gibt es vier häufige Verhaltensmuster, wie wir mit unerwünschten Gefühlen umgehen: espape, express, supress und repress. In seinem Buch “Letting go” beschreibt er sie wie folgt:
- Escape (flüchten):
Wenn uns die Dinge zu viel werden, greifen wir schnell zur Ablenkung. Das Smartphone, der Fernseher, shoppen, Alkohol, aber auch extremer Sport oder die Arbeit können Zufluchtsorte sein. Wir suchen nach externen Reizen, die uns schnell und einfach auf andere Gedanken – und damit auf andere Gefühle – bringen.
- Express (ausdrücken):
“Ausdrücken” meint das übermäßige Thematisieren eines bestimmten Gefühls bzw. einer Erfahrung, die das Gefühl ausgelöst hat – sei es im Gespräch mit anderen oder in den eigenen Gedanken. Wenn wir die Erfahrung wiederholt besprechen, grübeln, interpretieren und bewerten, durchlaufen wir auch die zugehörigen Gefühle immer wieder aufs Neue. Es entstehen weitere Gedanken und Emotionen, die uns noch tiefer in das unerwünschte Thema hineinziehen. - Supress (bewusst unterdrücken):
Manchmal schieben wir ein Gefühl bewusst beiseite, weil wir gerade keine Zeit haben, uns damit zu befassen. Oder weil der Ort, an dem wir uns gerade befinden, es nicht zulässt, das Gefühl zu zeigen und auszuleben. Es kann auch sein, dass wir es uns angesichts der Erwartungen und Anforderungen des Alltags nicht erlauben, uns auch mal schlecht zu fühlen. Oder wir haben Angst vor dem Schmerz, den das Gefühl möglicherweise mitsichbringt.
- Repress (unbewusst unterdrücken):
Beim unbewussten Unterdrücken läuft ein inneres Programm ab, das die Emotion von vorneherein nicht zulässt. Häufig erlernen wir ein solches Verhaltensmuster in der frühen Kindheit, in der es ein sinnvoller Schutzmechanismus für uns war. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn starke Gefühle im damaligen Umfeld nicht erwünscht oder erlaubt waren oder wenn wir mit schwierigen Umständen umgehen mussten. Im Erwachsenenalter kann das Nicht-Fühlen jedoch zu Schwierigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen, vor allem in Beziehungen, führen.

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Emotionen kontrollieren – geht das?
Was ist nun ein gesunder und zielführender Weg, mit schwierigen Gefühlen umzugehen? Viele Menschen fragen sich, wie sie sie “kontrollieren” oder “loswerden” können. Die Lösung ist simpel: Gefühle sind zum Fühlen da. Du solltest sie weder kontrollieren, noch loswerden wollen – beides der falsche Ansatz. Du solltest sie spüren wollen. Das ist ihre Funktion. Wenn du eine Emotion annimmst und ihr Raum gibst, löst sie sich auf natürliche Weise auf.
So wie bei Kindern, die in kürzester Zeit beispielsweise von tiefem Zorn in helle Freude wechseln. Kinder haben noch nicht gelernt, dass Gefühle nicht immer und überall willkommen sind. Sie haben auch noch nicht gelernt, wie man sich mental in sie hineinsteigert. An ihnen ist daher anschaulich zu beobachten, dass Gefühle auch schnell wieder abflachen, wenn wir sie zuvor wirklich zulassen. Die Neurologin Jill B. Taylor nennt dazu eine erstaunliche Zahl: Nach ihren Untersuchungen benötigt eine Emotion nur 90 Sekunden, bis ihr biochemischer Prozess im Körper durchlaufen ist.
Was will das Gefühl dir sagen?
Beobachte also, was in deiner inneren Welt geschieht und erlaube es dir, zu fühlen. Nimm dir immer mal wieder bewusst ein paar Minuten Zeit, um deinen Emotionen Raum zu geben. Sag “Hallo” und “Willkommen” zu deiner Angst, Trauer oder Unsicherheit – was auch immer im Moment da ist. Frage dich, was das Gefühl dir sagen will: Welches Bedürfnis steckt dahinter? Was brauchst du jetzt, damit es dir besser geht? Achte deine Gefühle. Sie meinen es gut mit dir.

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